Wenn Sie gerade über eine Terrassenüberdachung nachdenken, landen Sie früher oder später bei dieser Frage: Glas oder Polycarbonat? Ich habe schon dutzende Terrassen gesehen, und ehrlich gesagt – die Entscheidung ist nicht so einfach, wie manche Ratgeber es darstellen. Beide Materialien haben ihre Berechtigung, aber sie funktionieren komplett unterschiedlich.
Was am Ende für Sie passt, hängt von ziemlich vielen Faktoren ab. Wie nutzen Sie die Terrasse? Wo liegt sie – Südseite, Nordseite? Was ist Ihnen wichtiger – dass es schick aussieht oder dass der Preis stimmt? Manchmal ist die Antwort klar, manchmal nicht. Schauen wir uns das genauer an.
Die Dacheindeckung bestimmt mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Klar, die Optik spielt eine Rolle – niemand will eine Überdachung, die wie ein Provisorium aussieht. Aber es geht um mehr.
Wie viel Licht kommt durch? Das macht den Unterschied zwischen «gemütlich hell» und «düster wie in einer Garage». Wie warm wird es darunter im Sommer? An manchen Nachmittagen kann eine Terrasse zur Sauna werden, wenn das falsche Material drauf ist. Wie laut wird es, wenn es regnet? Manche Materialien trommeln bei jedem Schauer wie wild, andere schlucken den Lärm. Und dann ist da noch die Frage, wie oft Sie mit Lappen und Leiter nach oben müssen, weil sich Dreck und Algen festgesetzt haben.
All das hängt davon ab, was da oben liegt. Deshalb lohnt es sich, die beiden Hauptkandidaten genau unter die Lupe zu nehmen.
Glas hat in den letzten Jahren ziemlich an Boden gewonnen. Viele moderne Terrassenüberdachungen sind aus Glas, und das hat seine Gründe. Optisch macht Glas einfach was her. Es sieht aufgeräumt aus, zeitlos, nicht nach Baumarkt-Lösung.
Was für Glas spricht:
Fangen wir mit dem Licht an. Glas lässt fast das komplette Tageslicht durch – je nach Glasart bis zu 90 Prozent. Das bedeutet: Unter der Überdachung fühlt es sich fast so an wie draußen, nur ohne Regen oder Vogeldreck. Wenn Sie gerne hell und luftig sitzen, ist das ein echtes Argument.
Dann die Optik. Eine Glasüberdachung wirkt einfach hochwertiger. Sie fügt sich in fast jeden Baustil ein – ob modern, minimalistisch oder klassisch. Glas altert nicht wie Kunststoff, es vergilbt nicht, bekommt keine Trübungen. Was Sie heute montieren, sieht in zehn Jahren noch genauso aus.
Verbundsicherheitsglas ist robust. Richtig robust. Hagel? Kein Problem. Äste, die im Sturm runterkommen? Hält das aus. Das Glas splittert nicht wie eine Fensterscheibe, sondern hält zusammen, selbst wenn es einen Schlag abbekommt.
Und die Reinigung: Die glatte Oberfläche lässt sich einfach abspritzen. Moosbildung oder hartnäckige Verfärbungen, wie sie bei manchen Kunststoffen auftreten können, gibt es bei Glas praktisch nicht. Einmal im Jahr mit dem Hochdruckreiniger drüber – fertig.
Was gegen Glas spricht:
Glas wiegt. Deutlich mehr als Polycarbonat. Das heißt: Die Unterkonstruktion muss stabiler sein, die Pfosten dicker, die Fundamente tiefer. Bei manchen älteren Terrassen oder bei nachträglichem Anbau kann das zum Problem werden. Wenn die Statik ohnehin schon grenzwertig ist, wird es mit Glas schwierig.
Dann die Wärme. Glas lässt nicht nur Licht durch, sondern auch Wärmestrahlung. An heißen Sommertagen kann es unter einer reinen Glasüberdachung unangenehm warm werden. Das Glas wirkt dann wie eine Lupe – die Terrasse heizt sich auf, und Sie sitzen da wie in einem Treibhaus. Ohne zusätzlichen Sonnenschutz – Markise, Rollladen, Lamellen – kann das an Süd- oder Westterrassen richtig nervig werden.
Und ja, Glas kostet mehr. Nicht nur das Material selbst, auch der Einbau ist aufwendiger. Rechnen Sie mit einem deutlich höheren Budget als bei Polycarbonat. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, was Ihnen wichtig ist.
Für wen Glas passt:
Glas ist die richtige Wahl, wenn Ihnen Design wichtig ist und Sie maximale Helligkeit wollen. Wenn die Terrasse eher im Schatten liegt oder nach Norden ausgerichtet ist, können Sie die Lichtdurchlässigkeit voll ausnutzen, ohne dass es zu heiß wird. Und wenn das Budget passt – dann spricht eigentlich nichts gegen Glas.
Polycarbonat ist ein Kunststoff, der sich seit Jahrzehnten im Bau bewährt hat. Früher vor allem bei Gewächshäusern und Industriehallen eingesetzt, hat das Material auch bei privaten Terrassenüberdachungen Fuß gefasst. Warum? Weil es funktioniert und weil es günstiger ist als Glas.
Was für Polycarbonat spricht:
Das Gewicht ist der erste große Vorteil. Polycarbonat wiegt nur einen Bruchteil von Glas – etwa ein Zehntel bei vergleichbarer Fläche. Das erleichtert den Transport, die Montage und vor allem die Statik. Sie brauchen keine Stahlträger oder massive Fundamente. Eine leichtere Unterkonstruktion reicht, das spart Kosten.
Viele Polycarbonatplatten haben eingebauten UV-Schutz. Die Beschichtung filtert einen Großteil der UV-Strahlung heraus, bevor sie auf die Terrasse kommt. Das hat zwei Effekte: Sie bekommen weniger Sonnenbrand, und es wird nicht ganz so heiß darunter. Bei Südterrassen, die den ganzen Tag in der Sonne liegen, ist das ein echter Vorteil.
Je nach Plattentyp – Stegplatten, Wellplatten, Hohlkammerplatten – kann Polycarbonat auch isolieren. Die Luft in den Kammern wirkt als Puffer gegen Hitze. Im Sommer bleibt es kühler als unter einer einfachen Glasplatte, im Herbst hält es die Restwärme etwas länger.
Und dann der Preis. Polycarbonat kostet in der Regel die Hälfte bis zwei Drittel weniger als Glas. Wenn das Budget begrenzt ist oder wenn Sie die Terrasse nur als Zwischenlösung überdachen wollen, ist das ein gewichtiges Argument.
Was gegen Polycarbonat spricht:
Optisch kommt Polycarbonat nicht an Glas ran. Es wirkt funktionaler, manchmal auch ein bisschen provisorisch – besonders bei günstigen Stegplatten. Wer Wert auf edle Optik legt, wird mit Polycarbonat nicht ganz glücklich.
Die Oberfläche ist weicher als Glas und damit anfälliger für Kratzer. Äste, die bei Wind über die Platten schleifen, hinterlassen Spuren. Mit der Zeit können die Platten auch leicht milchig werden, vor allem wenn sie direkter UV-Strahlung ausgesetzt sind und keine hochwertige Beschichtung haben.
Licht kommt weniger durch – je nach Plattentyp zwischen 50 und 80 Prozent. Das ist immer noch viel, aber merklich weniger als bei Glas. Unter einer Polycarbonat-Überdachung ist es dunkler, das kann je nach Terrasse ein Vorteil oder ein Nachteil sein.
Und bei Regen: Polycarbonat ist lauter. Jeder Tropfen prasselt hörbar auf die Platten. Manche finden das gemütlich, andere störend – vor allem wenn das Schlafzimmer direkt neben der Terrasse liegt.
Für wen Polycarbonat passt:
Polycarbonat ist die richtige Wahl, wenn Sie eine solide, funktionale Lösung zu einem vernünftigen Preis suchen. Wenn die Terrasse viel Sonne abbekommt und Sie Wert auf Hitzeschutz legen. Wenn Sie die Überdachung selbst montieren wollen und das geringe Gewicht schätzen. Und wenn Ihnen Funktion wichtiger ist als High-End-Optik.
Die Entscheidung hängt stark davon ab, wie Ihre Situation aussieht. Ein paar Fragen helfen bei der Orientierung:
Wie liegt die Terrasse? Südseite, volle Sonne den ganzen Tag? Dann wird Ihnen unter reinem Glas schnell zu heiß – entweder Sie planen von Anfang an einen Sonnenschutz mit ein, oder Sie nehmen Polycarbonat mit UV-Filter. Liegt die Terrasse im Halbschatten oder nach Norden? Dann können Sie die Lichtdurchlässigkeit von Glas voll ausnutzen, ohne dass es unangenehm wird.
Wie wichtig ist Ihnen die Optik? Wenn die Terrassenüberdachung ein echtes Gestaltungselement sein soll, wenn Sie Wert auf klare Linien und hochwertige Materialien legen – dann führt kaum ein Weg an Glas vorbei. Wenn Sie eher praktisch denken und die Überdachung in erster Linie Schutz bieten soll, reicht Polycarbonat völlig.
Was darf es kosten? Glas ist teurer, daran führt kein Weg vorbei. Wenn das Budget eng ist, müssen Sie entweder bei der Fläche Kompromisse machen oder Sie nehmen Polycarbonat. Manchmal ist eine große Polycarbonat-Überdachung besser als eine kleine aus Glas.
Wie nutzen Sie die Terrasse? Nur im Sommer zum Grillen? Oder fast das ganze Jahr über, auch bei schlechtem Wetter? Wer die Terrasse intensiv nutzt, profitiert von der besseren Lichtdurchlässigkeit und der edleren Optik von Glas. Wer hauptsächlich einen Regenschutz für die Gartenmöbel braucht, kommt mit Polycarbonat gut zurecht.
Planen Sie zusätzlichen Sonnenschutz? Wenn ohnehin eine Markise oder ein Lamellendach geplant ist, spielt die Wärmeentwicklung unter der Überdachung eine kleinere Rolle. Dann können Sie bei Glas zugreifen, ohne sich Sorgen um Hitzestau zu machen.
Jede Terrasse ist anders. Jedes Haus ist anders. Was bei Ihrem Nachbarn perfekt funktioniert, kann bei Ihnen komplett daneben sein. Die Himmelsrichtung, die Beschattung durch Bäume oder Nachbargebäude, die vorhandene Konstruktion, die geplante Nutzung – all das spielt rein.
Deshalb ist eine vernünftige Beratung durch einen Fachbetrieb sinnvoll. Jemand, der sich Ihre Terrasse vor Ort anschaut, der die Statik prüft, der Ihre Wünsche ernst nimmt und nicht einfach das verkaufen will, was gerade im Lager liegt. Ein guter Berater stellt Fragen: Wie nutzen Sie die Terrasse? Was stört Sie aktuell? Was ist Ihnen wichtig – Licht, Wärme, Optik, Preis? Und dann macht er einen Vorschlag, der zu Ihrer Situation passt.
Manchmal kommt dabei auch raus, dass eine Kombination sinnvoll ist – etwa Glas im vorderen Bereich für die Optik und Polycarbonat weiter hinten, wo es nicht so sehr auffällt. Oder Glas mit zusätzlichem Sonnenschutz. Oder Polycarbonat in hochwertiger Ausführung, das optisch fast an Glas rankommt.
Glas oder Polycarbonat – beide Materialien haben ihre Stärken, beide haben ihre Schwächen. Glas punktet mit Design, Lichtdurchlässigkeit und Langlebigkeit. Polycarbonat mit Preis, Gewicht und Hitzeschutz. Welches Material am Ende auf Ihrer Terrasse landet, hängt davon ab, was für Sie wichtiger ist.
Nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung. Schauen Sie sich Beispiele an, fassen Sie Materialproben an, sprechen Sie mit Leuten, die schon eine Terrassenüberdachung haben. Fragen Sie nach deren Erfahrungen – wird es zu heiß, nervt der Lärm bei Regen, wie sieht das Material nach ein paar Jahren aus?
Und lassen Sie sich beraten. Von jemandem, der Ahnung hat und nicht einfach das Teuerste verkaufen will. Eine gut geplante Terrassenüberdachung – egal ob Glas oder Polycarbonat – ist eine Investition, die sich über Jahre auszahlt. Sie sitzen öfter draußen, Sie können die Terrasse länger nutzen, und im besten Fall bereuen Sie die Entscheidung nie.